Whitney
im Treptower Park
Foto Treptower Park Whitney

Ich bin Whitney und komme aus den USA. Ich bin in Minneapolis geboren. Es ist eine sehr schöne Stadt, aber dort gibt es diese Kultur des „Raus-in-den-Park-gehens“ nicht. Wir sind eher Stadtmenschen. Es ist nicht so grün wie in Berlin. Ich finde es toll, dass im Treptower Park so viele Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen können.
Heute war ich unterwegs und ich habe eine Familie gesehen. Sie haben zusammen Eis gegessen. Sie hatten kurze Hose, T-Shirt und Turnschuhe an. Auf der anderen Seite saß eine andere Familie und sie hatten alle coole Kleidung an, die ich noch nie gesehen habe. Von Kopf bis Fuß bedeckt. Die Frauen hatten ein Kopftuch und zwei Männer hatten auch Kopftücher auf, aber die waren anders geformt. Sie haben sich getroffen, um zu essen und Musik zu hören. Beide Familien mit unterschiedlichen Hintergründen im selben Park zu sehen, fand ich wirklich cool. Ich freue mich, Teil dieser Atmosphäre sein zu können. Ich bin wegen der Liebe nach Berlin gekommen und ich bin wegen der Liebe zur Stadt geblieben.

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Margerita
im Treptower Park
Treptower Park Margarita

Hallo, ich bin Margarita und bin im Treptower Park. Heute mache ich mir einen ruhigen Tag mit der Familie, also mit einem meiner Kinder. Vor ungefähr acht Jahren war ich mit meinen beiden älteren Jungs hier gewesen. Die beiden wollten sich die Fische im Teich anschauen bzw. haben nach den Fischen gesucht. Der Kleine hat sich so weit nach vorne gebeugt, dass er kopfüber in den Teich gefallen ist. Er war dann weg. Zum Glück konnte mein Mann ihn schnell an den Haaren aus dem Wasser ziehen. Und während noch viel grünes Wasser aus seinem Mund, Augen und Haaren heruntertropfte, wollte der Große nur wissen, ob er im Wasser Fische gesehen hätte. Der Ältere war damals sechs Jahre alt und der Jüngere müsste ungefähr 3 Jahre alt gewesen sein. Wechselsachen hatten wir auch nicht dabei. Der Große musste dann dem Kleinen seine Unterwäsche ausleihen, damit er nicht komplett nackt oder nass rumlaufen musste. Der Tag war trotzdem gelungen. Wir hatten schönes Wetter im Frühjahr. So wie jetzt.

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Clemens
im Treptower Park
Foto Treptower Park Clemens

Mein Name ist Clemens. Ich komme aus Berlin-Treptow und wohne hier im Kiez seit 62 Jahren. Ich liebe diesen Kiez wie nichts. Es war schön und schlimm zugleich. Wir hatten auf der großen Wiese zwei Konzerte 1981 und 1982. Das erste war Barclay James Harvest, das zweite Bob Dylan. Letzter trat hier auf ohne „Guten Tag“ oder „Auf Wiedersehen“ zu sagen. Ich weiß nicht, ob er unter Drogeneinfluss stand. Wir, als DDR-Menschen, waren tief enttäuscht von diesem Menschen. Aber wir waren natürlich froh, dieses Konzert erlebt zu haben. Bob Dylan hatte nicht genug Karten für die Waldbühne verkauft. Wenn man nicht genug Karten in West-Berlin verkauft, spielt man hier. Roger McGuinn hat mir als Vorgruppe schon fast besser gefallen. Seitdem mag ich Bob Dylan nicht mehr.

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Carina
im Treptower Park
Foto Treptower Park Carina3 169

Ich bin Carina und bin 34 Jahre alt. Wir sind jetzt grad im Treptower Park in Berlin. Ich wohne seit zwei Jahren hier und komme gerne hierher, um ein bisschen Sport zu machen, mich mit Freunden zu treffen, einen Kaffee zu trinken und ich beobachte auch gerne andere Leute, was die hier so machen.
Was ich im Treptower Park sehr schön finde, ist, dass es sehr viele Künstler gibt, die hier Musik machen und die hier singen. Manche Tanzgruppen tanzen hier oder es treffen sich auch Yogagruppen. Das finde ich toll: die ganzen sportlichen Aktivitäten und die Künstler.
Was ich nicht so toll hier im Park finde – und was mir sowieso generell in Berlin aufgefallen ist – manchmal sind die Parks, vor allem im Sommer, nicht so sauber. Jugendliche oder vielleicht auch andere Leute lassen dann ihre Pizzapakete oder andere Sachen von einer Party hier liegen. Das ist ein bisschen schade, wenn der Müll hier liegen bleibt.
Ich war erstmal schockiert darüber, als ich hier neu in Berlin war. Ich habe immer gehört: „Berlin ist arm, aber sexy“, aber mittlerweile denke ich, dass Berlin nur noch dreckig und arm ist. Es ist wirklich schade. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür. Ich kann es mir einfach nicht erklären.
Seitdem ich ein kleines Kind war, wurde ich von meiner Familie so erzogen, dass man Müll in den Papierkorb oder Mülleimer wirft. Ich habe da einfach kein Verständnis für. Vielleicht ist es Faulheit. Die Leute sollten mehr Rücksicht aufeinander nehmen, auch mit den ganzen Partys hier in Berlin. Vielleicht sollte man für Partys im Park eine bestimmte Uhrzeit vorgeben oder auch bestimmte Regeln, dass man keinen Müll mehr wegwerfen kann.
Was ich im Ausland gesehen habe und was z.B. in Brasilien in Rio de Janeiro funktioniert, ist, dass es eine Geldstrafe gibt. Jeder, der Müll an den Strand wirft, muss 100€ Strafe zahlen und das ist leider in manchen Ländern oder Städten das Einzige, was hilft. Ich bin für eine Geldstrafe für Umweltsünder. Letztendlich wäre es schön, wenn jeder seinen Dreck wegräumt. Das wäre so mein Appell an die Leute, die den Müll hierlassen.

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Bobby
im Treptower Park
Foto Treptower Park Bobby

Ich bin Bobby, komme aus Wales und bin Straßenmusiker in Berlin und oft im Treptower Park. Ich habe hier im Januar gespielt. Es war etwas Besonderes, weil es so kalt war. Ich war fast der einzige Musiker, der hier gespielt hat. Die Leute waren sehr schockiert und fragten, warum ich hier spiele. Aber wenn die Sonne scheint, sind meine Hände auch warm genug. Jetzt ist es auch schön. Es sind viel mehr Leute hier. Aber es ist natürlich schwieriger, sich nur auf die Musik zu konzentrieren. Ich möchte, dass die Menschen sich für ein paar Minuten auf die Musik fokussieren, tanzen und meinem Text zuhören können. Besonders mein Lied „Ringbahn“ ist eine Geschichte über Berlin – ein Loop wie die Ringbahn. Man muss manchmal aussteigen und atmen. Ich spiele, egal welche Jahreszeit es ist. Im Januar ist es sehr besonders, weil wir wirklich für unser Geld arbeiten müssen, aber es ist gut gelaufen dieses Jahr.

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Belqees
im Treptower Park
Foto Treptower Park Belqees4

Ich heiße Belqees und bin hier im Treptower Park. Ein alter Mann hat mich gefragt, warum ich bei diesem heißen Wetter ein Kopftuch trage, ob es nicht warm sei. Ich habe schockiert geantwortet, dass es nicht so warm sei. Ich trage es wegen der Religion. Jeder muss Respekt vor anderen Religionen haben. Wir wollen nicht, dass Männer unsere Schönheit oder unsere Haare sehen. Wer das Kopftuch tragen möchte, kann es tragen. Wer das nicht will, muss das auch nicht. Ich mag mein Kopftuch. Wenn ich es trage, fühle ich mich ruhiger. Ich kann an jeden Ort gehen und fühle mich sicher damit. Hier in Berlin können sogar Männer mit Rock rumlaufen. Das ist kein Problem. Jeder in Deutschland ist frei. Ich möchte nicht, dass jemand Probleme mit meinem Kopftuch oder meiner Hijab hat, weil ich andere Religionen oder Kleidung auch respektiere. Viele denken, dass die Männer sagen, dass man Kopftuch oder Hijab tragen soll. Aber das stimmt nicht. Mein Mann sagt, dass ich alles tragen kann, was ich will. Ich sei frei. In meinem Leben habe ich gelernt, dass es wichtig ist, dass man Respekt vor anderen Menschen hat.

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