Welcher ist der älteste Berliner Park?

Der Park, den wir heute unter dem Namen Lustgarten kennen, existiert an dieser Stelle schon seit über 500 Jahren. Seine Erscheinungsform hat sich mit der Zeit stark gewandelt: Der anfängliche Küchen- und Kräutergarten des Berliner Stadtschlosses wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und ab 1645 teilweise als Ziergarten wiederangelegt. Nach verschiedenen Umbauten in den folgenden Jahren wurde er als eine Art botanischer Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der erste Gartenplatz der Stadt wurde zu einem beliebten Treffpunkt für Spiele und Tanzveranstaltungen. Im 18. Jahrhundert musste der grüne Lustgarten dem Grau eines preußischen Exerzierplatzes weichen. Erst zur Jahrhundertwende wurde eine große Rasenfläche angepflanzt (Betreten verboten!) sowie eine Promenade angelegt.
Im 19. Jahrhundert entstanden rund um den Lustgarten wichtige repräsentative Gebäude und Denkmäler – die Anlage wurde nach den Vorstellungen von Karl Friedrich Schinkel (Baumeister, Architekt und Stadtplaner, 1781-1841) von Peter Joseph Lenné (General-Gartendirektor und Gartenkünstler, 1789-1866) umgestaltet. Umgeben vom Berliner Dom, dem Schloss, dem Alten Museum und der Neuen Wache sowie einer Vielzahl von Denkmälern, sollte die Parkanlage nun in erster Linie die umgebenden Bauwerke optimal in Beziehung setzen. Mit der Reichsgründung 1871 sowie dem Neubau des Doms wurden kleinere Umbauten vorgenommen. Spätestens mit der Ausrufung der Weimarer Republik wandelte sich allerdings die Funktion des Lustgartens fundamental: Er diente nun als Schauplatz großer politischer Kundgebungen, insbesondere der Arbeiterbewegung.
Auch die Nationalsozialisten nutzten den Lustgarten nach der Machtübertragung als Aufmarschplatz. Im Rahmen der Umgestaltungen zu den Olympischen Spielen 1936 musste das Grün erneut weichen und wurde durch eine durchgehende Pflasterung ersetzt. Dieser Zustand hielt bis 1998 Bestand, als nach Plänen von Hans Loidl, der sich wiederum an den Entwürfen Schinkels orientierte, große Teile des Lustgartens wieder begrünt wurden. Zuvor wurden zwei Mal Pläne zur Umgestaltung mit der Beibehaltung der historischen Pflasterung von der Öffentlichkeit abgelehnt.

Der Lustgarten in Berlins Mitte wandelte sich über die Jahrhunderte von einem Nutzgarten, einen botanischen Garten zu einem Teil der repräsentativen Stadt. Dabei musste er während zweier langer Phasen ein graues Dasein fristen, das den Namen Lust oder Garten nicht verdient hat. Als Exerzier- und Aufmarschplatz und zuletzt als Parkplatz konnte er der Bevölkerung nicht als Erholungsraum dienen und auch das Stadtgrün musste außen vor bleiben.

Mehr zur Geschichte des Lustgartens ist hier zu finden:

Wettbewerb Lustgarten in Berlin-Mitte / Land Berlin

Liste, Karte, Datenbank / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt - Berlin

 

Der erste kommunale Park Berlins entstand Mitte des 19. Jahrhunderts: 1840 hatte Peter Joseph Lenné als königlicher Gartendirektor in seiner Planung „Projectirte Schmuck- und Grenzzüge v. Berlin mit nächster Umgegend“ verschiedene Standorte für neue große Parkanlagen vorgesehen, so auch "zwischen dem neuen Königs- und Landsberger Tor". Davon sollte als erstes also zum 100-jährigen Thronjubiläum Friedrich des Großens der Friedrichshain entstehen. Er bildete damit nicht nur geographisch ein Gegenstück zum Tiergarten im Südwesten der Stadt. Er war vielmehr auch das erste städtische Grün, das nicht von König oder Adel, sondern von der Stadt selbst und ausschließlich für die Bevölkerung geschaffen wurde. 1848 wurde der Friedrichshain fertiggestellt, er soll den Bewohner*innen der umliegenden, dicht besiedelten Stadtteile eine grüne Erholungsfläche zu bieten.
Die Gestaltung des Friedrichshain beruht auf Plänen von Gustav Meyer, einem Schüler Peter Joseph Lennés. Meyer wurde 1870 zum ersten städtischen Gartendirektor Berlins ernannt. Zu seinen Aufgaben gehörte nicht nur die Pflege und Unterhaltung des Stadtgrüns, sondern auch die Planung und Ausführung neuer Parkanlagen. Er entwarf in seiner kurzen Amtszeit das Konzept der „Volksgärten“. Diese sollten „Stätten der Bewegung, der Erholung, Orte geselliger Unterhaltung, auch des Naturgenusses, der Bildung und der Veredlung der Sitten“ sein. Nach diesem Konzept wurde zuerst der Treptower Park angelegt, in den folgenden Jahrzehnten folgten weitere große neue Grünanlagen, zunächst der Victoriapark.

Die „Volksgärten“ waren dem Wesen englischer Landschaftsgärten angelehnt und wurden ab der Jahrhundertwende dafür kritisiert, dem Spiel- und Bewegungsdrang der Bevölkerung zu wenig Raum zu bieten. Vor dem Hintergrund des starken Bevölkerungswachstums und des Zusammenschlusses zu Groß-Berlin entstand dann das Konzept der „Volksparks“. Diese sollten noch stärker auf die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung der Großstadt ausgerichtet sein. In der Weimarer Republik entstanden zusätzlich zu den ehemaligen Volksgärten auch gänzlich neue Volksparks wie der Volkspark Jungfernheide oder der Volkspark Tempelhofer Feld (der schon bald dem Ausbau des Flughafens weichen musste).

Heute kennen wir Parks und Grünanlagen als offene städtische Flächen für die Bevölkerung, zu deren Erholung und als Orte der Bewegung und der Naturerfahrung. Dieses Verständnis ist zwar ziemlich jung – verglichen mit dem Alter unserer Städte oder der Idee von öffentlichen urbanen Gärten. Der älteste Volkspark in Berlin – der Volkspark Friedrichshain – wird allerdings im kommenden Jahr mit 175 Jahren durchaus ein stattliches Alter erreichen. Die Idee, die den Volksparks zugrunde liegt, hat auch im 21. Jahrhundert nichts an Aktualität eingebüßt; dies hat uns zuletzt die Pandemie vor Augen geführt. Der Bedarf der Bevölkerung nach wohnortnahen Grünflächen ist weiterhin groß, die Art der Nutzung hat sich in jüngster Zeit weiter vervielfältigt. Dies kann Konflikte mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass wir respektvoll mit dem Stadtgrün umgehen und Rücksicht auf andere Besucher*innen nehmen.

150 Jahre kommunale Gartenbauverwaltung Berlin - Berlin.de

Kommunale Grünentwicklung 1870 bis 1920 - Berlin.de

Kommunale Grünentwicklung von 1920 bis 1948 - Berlin.de

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