Berlin liegt in Südfrankreich?

Sofern sich der aktuelle Erwärmungstrend fortsetzt, könnte einer durch das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erstellten Studie zufolge das Klima in Berlin im Jahr 2100 dem des heutigen Toulouse entsprechen.

Doch die Folgen der globalen Erwärmung sind bereits jetzt auch in Berlin schon deutlich zu spüren. So ist seit dem Beginn der Temperaturaufzeichnung im Jahr 1881 die durchschnittliche Mitteltemperatur Berlins bislang um ca. 1 °C angestiegen.

Auswertung der Lufttemperatur (diBEK)

Trotzdem diese Temperaturdifferenz minimal anmutet, hat das deutliche Konsequenzen für Natur, Umwelt und die menschliche Gesundheit. Mit der Temperaturerhöhung hat sich unter anderem die thermische Vegetationsperiode, das heißt der Zeitraum des Jahres, in dem aufgrund klimatischer Gegebenheiten ein Pflanzenwachstum möglich ist, ausgedehnt. Das kann fatale Folgen haben, wenn beispielsweise der Blühbeginn von Pflanzen bereits einsetzt, bevor die spezifischen Bestäuberorganismen verfügbar sind.

Auswertung der thermischen Vegetationsperiode (diBEK)

Ebenso beginnt dadurch der Pollenflug früher im Jahr und zieht sich bis weit in den Herbst, sodass Personen, die unter Heuschnupfen leiden, den Allergenen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sind.

Auswertung des Pollenflugs der Ambrosia (diBEK) und der Birke (diBEK)

Durch die ganzjährig wärmeren Temperaturen ist es auch gebietsfremden und invasiven Arten möglich, sich erfolgreich anzusiedeln und zu reproduzieren. Dadurch können die ursprünglichen Lebensgemeinschaften beeinträchtigt und die Funktionsabläufe in Ökosystemen verändert werden.

Doch mit dem allgemeinen Erwärmungstrend nehmen auch die Wetterextreme zu. Die Zahl der heißen Tage mit einer maximalen Temperatur von 30 °C und höher haben sich verglichen mit dem Referenzzeitraum 1961 bis 1990 im Zeitraum 1991 bis 2020 von durchschnittlich 6 auf 12 Tage pro Jahr verdoppelt. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, sind bis 2050 18 heiße Tage pro Jahr zu erwarten. Gemäß der in 2015 durch das PIK erstellten Klimaprojektionen könnte es bis zum Ende des Jahrhunderts bereits um die 30 heißen Tage pro Jahr geben.

Modelle für die Entwicklung der Lufttemperatur (diBEK)

Während dieser Hitzephasen senken sich die Temperaturen zunehmend häufig auch in der Nacht nicht deutlich ab und verbleiben oberhalb von 20 °C. Man spricht dann von sogenannten Tropennächten. Für den menschlichen Organismus ist das kräftezehrend, da so zusätzlich zur thermischen Belastung am Tage auch die nächtliche Erholung beeinträchtigt wird.

Auswertung der Tropennächte (diBEK)

Berlin liegt in einer Region Deutschlands mit sehr geringen Niederschlägen. Trotzdem die Jahresniederschlagssumme bislang konstant geblieben ist, hat sich das Niederschlagsgeschehen dahingehen verändert, dass vermehrt ausgedehnte Dürreperioden auftreten, an die sich sturzartige Regenfälle anschließen. Diese können von heftigen Unwettern und Stürmen begleitet werden. Im Zuge der sich fortsetzenden Temperaturerhöhung werden sich auch die Trockenperioden weiter ausdehnen und die Starkregenereignisse zunehmen.

Auswertung über Trockenperioden

Um dem entgegen zu wirken und die Funktionsfähigkeit städtischer Infrastrukturen sowie die urbane Lebensqualität zu erhalten, hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz im Teil Klimaanpassung des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 für die 10 als betroffen identifizierten Handlungsfelder mehr als 50 Klimaanpassungsmaßnahmen formuliert, die im Umsetzungszeitraum 2022 bis 2026 umgesetzt oder zumindest angestoßen werden sollen.

Weitere Informationen zur Umsetzung des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms (BEK 2030)

 

zurück zur Übersicht